Grossniklaus will gross hinaus
Joel Grossniklaus ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte Spross einer Hockeyfamilie sein, die dem Eishockey alles unterordnen. Der älteste von drei Söhnen ist heute 19-jährig (Jg. 2006). Er ist im Berner Oberland in Bönigen, einem Vorort von Interlaken am Brienzersee, aufgewachsen und Eishockey ist ihm bereits in die Wiege gelegt worden. Sein Vater spielte in der 1. Liga beim SC Unterseen-Interlaken und hat das Virus auf seine Söhne schon früh übertragen.
Beim SCUI hat Joel auf den Erfassungsstufen Bambini und Piccolo (heute U9 bis U12) das Eishockeyspiel erlernt. Als es sich dann abzeichnete, dass er vom Breitensport in Richtung Leistungssport gehen möchte, hat der ambitionierte Teenager für die weiteren Nachwuchsstufen auf „Elit-Niveau“ zum EHC Thun gewechselt und weiter zu den SCL Tigers, wo er 15-jährig bereits von zuhause weg in einer Hockey-WG lebte.
«Ich musste meine Ellbogen ausfahren und mich ins Team hineinkämpfen»
Der talentierte Center und Zwei-Weg-Stürmer hat dann mit der Hilfe seines Spieleragenten auf die Saison 24/25 hin einen Platz im Team der schwedischen U20-Mannschaft der Malmö Redhawks erhalten und geniesst dort seither eine Top-Ausbildung im Eishockey.
hockeyfans.ch wollte von ihm wissen, wieso er nach Malmö gewechselt hat. «Nach der U18-WM damals in Finnland musste ich eine Entscheidung treffen bezüglich der nächsten Saison. Mir hat das einfach schon immer sehr gefallen und auch was ich gehört hatte, wie in Skandinavien gearbeitet wird - auch um sich weiterzuentwickeln. Das war sehr ansprechend für mich. Und durch meinen Agenten bin ich dann nach Malmö gekommen und bin sehr happy dort.»
Bei den Juniorenteams sei die Intensität und die Laufbereitschaft sicherlich ein extrem grosser Punkt, in dem die Schweden der Schweiz einen Schritt voraus sind. Man müsse aus der Komfortzone herauskommen. Es sei nicht einfach, weil kompetitiver, da es auch mehr lizenzierte Spieler habe.
In Malmö trainiert Joel frühmorgens und am späteren Nachmittag. «In der Schweiz gibt es das klassische Schulsystem oder Arbeitssystem bis nachmittags um 17 Uhr. Von meinem Team wollen die meisten ins Gymnasium.» Seine Teamkollegen gehen daher von 10 Uhr bis 13 Uhr zur Schule, Joel zwischendurch zurück in seine Wohnung. «Ich konnte da online das KV beenden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das letzten Sommer abschliessen konnte.»
Auf dem Weg zu Joels Fussstapfen
Der mittlere der drei Brüder, Janis (Jg. 2008), hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen, wie Joel. Janis’ Teamkollegen beim EHC Thun waren eher in Richtung SCB orientiert. Daher hatte Janis ebenfalls zum SCB gewechselt und ist von dort aus nach Malmö gegangen. «Mein Bruder ist nun auch gekommen auf diese Saison und wir wohnen zusammen.» Die beiden sind ein gutes Team, haben sich mit einem Ämtliplan organisiert, wann wer kocht, putzt, wäscht. Während Joel an der U20-WM spielt, nahm Janis mit der U18-Nati in Zuchwil an einem internationalen Turnier teil.
Und dann ist da noch Noah (Jg. 2012), Goalie, derzeit noch beim EHC Thun. Joel sagt mit einem Lächeln im Gesicht: «Ja, er hatte nicht viel Wahl bei uns früher. Mit meinem mittleren Bruder waren wir viel in der Garage am Hockeyspielen und den Jüngsten hatten wir einfach immer ins Tor gesteckt. So ist das Ganze entstanden. Er hat auch eine Riesenpassion fürs Hockey und er macht es sehr gut. Er hat Riesenfortschritte gemacht. Diesen Sommer waren wir auch einmal alle drei in Burgdorf auf dem Eis und ich muss sagen, ich habe gestaunt, wie er sich weiterentwickelt hat. Er hat auch richtig Freude am Hockey und ich hoffe auch, dass er den nächsten Schritt bald wird machen können.»
Zukunft - Joel hatte einen Plan
Das tönt bei den Grossniklaus-Brüdern alles sehr durchdacht. Joel hat seine Pläne für die Zukunft bereits früh skizziert. In Malmö wollte er persönliche Lücken schliessen, an seinen Defiziten arbeiten, damit er dann ein Aufgebot bekommt für die U20-WM. Danach wolle er zurückkommen in die Schweiz mit einem Vertrag bei einem NL-Verein, das Fernziel bleibe aber natürlich die NHL. Sein Plan ist aufgegangen: Er spielt mit der U20 Nationalmannschaft und hat kürzlich einen Zweijahresvertrag beim SCB ab der Saison 26/27 unterschreiben können. Auf die Frage nach der NHL antwortet er: «Ja, ja natürlich. Der Traum der NHL stirbt nie. Aber jetzt ist sicher wichtig, dass ich im Moment lebe. Es ist sicher cool, hat das geklappt hier mit der WM-Nomination und auch für nächste Saison mit Bern.»
hockeyfans.ch wünscht Joel und seinen beiden Brüdern für die sportliche und private Zukunft alles Gute!
