Wechselhafter EHC Biel fügt Leader HC Davos 3. Auswärtsniederlage zu

Von Robert Szendröi
EHC Biel
4
0 - 1 - 2
HC Davos
3
1 - 0 - 2
06.01.2026
National League
Zuschauer: 5844
0:1‧1:0‧2:2
Spielbericht

Beim Bieler 4:3-Erfolg nach Penaltyschiessen bekamen die 5844 Hockeyfans in der Tissot Arena verschiedenste Facetten des attraktiven Eishockeysports serviert. Nach brotlosem Startfurioso der Seeländer schossen sich die Davoser im Startdrittel in Führung. Erst der Ausgleichstreffer im Mittelabschnitt brachte die Einheimischen in Fahrt. Danach gleichen die Bündner im Schlussabschnitt 3,9 Sekunden vor der Schlusssirene nach 1:3-Rückstand in extremis zum 3:3-Remis aus. Letztlich siegen die fleissigen Martin-Filander-Schützlinge nach spannendem Penaltyschiessen.

Es gehört beim HC Davos nach dem Spengler Cup – diesmal sogar zum Rekordsieger gehievt – schon fast zum Ritual, dass man zum Neujahrsbeginn auf der Verliererstrasse landet. Auch am letzten Freitag blieb man sich beim HCD treu und verlor zum Meisterschaftsauftakt 2026 beim wieder erstarkten EHC Kloten gleich mit 1:4. Allerdings sah es tags darauf daheim im Landwassertal wieder eisleuchtend aus, denn man entliess den schwächelnden HC Ambrì-Piotta gleich mit einer 7:3-Packung zurück in die Leventina.

Im Gegensatz nimmt die Berg- und Talfahrt beim EHC Biel ihren weiteren Verlauf. Zuerst siegte man in der heimischen Tissot Arena überzeugend gegen den starken HC Lugano mit 3:1. Allerdings konnte man diese feine Leistung am Samstag bei den SCL Tigers einmal mehr nicht bestätigen. So krallten sich die zuletzt starken Emmentaler Tiger weitere drei Zähler ins Klassement. Dabei verpassten sie den Bielern notabene eine 4:0-Klatsche, die beidseitig Bände spricht.

Nun konnte man sich schon vor Spielbeginn die Fragen stellen, ob die Seeländer gegen den Leader aus dem Bündnerland ihr gewinnbringendes Heimgesicht aufzeigen und ob sich die Davoser schon jetzt wieder gut erholt und in Bestform präsentieren.

Erstes Drittel

Man traute seinen Augen kaum, als der EHC Biel nach dem ersten Bully wie die Feuerwehr auf das Davoser Gehäuse losstürmte. Es schien, als sei es nur eine Minutensache, bis sie Gäste-Keeper Sandro Aeschlimann zur 1:0-Führung bezwingen würden. Letztlich wurde dieser überraschende und gewaltige Energieschub der Einheimischen indes nicht belohnt. Es blieb weiterhin torlos. Danach schien das Bieler Pulver bereits verschossen zu sein, denn nun fanden die Bündner besser ins Spiel und bewerkstelligten auf zynische Weise nach etwas mehr als vier Minuten den 1:0-Vorsprung. Dabei kullerte der Puck nach einer undurchsichtigen Situation im Torraum über die Seeländer Torlinie, nachdem Rasmus Asplund (5.) die Vorarbeit von Calle Andersson und Matej Stransky verwertete, indem er den Puck als Letzter mit dem Arbeitsstock berührte. Eigentlich hätten die Schützlinge von EHCB-Coach Martin Filander genügend Möglichkeiten gehabt, um den 1:1-Ausgleich zu erzielen. Nur waren die Powerplaymöglichkeiten wie so oft erneut grottenschlecht. Dazu zeigten sich die Rotgelben bei anderen Angriffsaktionen zu unentschlossen und zu zögerlich im Abschluss.

Zweites Drittel

Zuerst machte es den Anschein, dass die weiterhin verkorkst agierenden Seeländer wohl gegen den Leader keine ertragsträchtigen Mittel fänden. Dieser Ansicht entgegneten die Einheimischen nach einem klassischen Konter, den PostFinance-Topscorer Fabio Hofer (26., PP) im 1-gegen-1 gegen Goalie Sandro Aeschlimann technisch versiert zum 1:1 verwandelte. Dem war unmittelbar davor ein Pfostenknaller von Davos’ PF-Scharfschütze Matej Stransky vorausgegangen. Nach dem Ausgleich lösten sich die Fesseln seitens der Filander-Jungs ziemlich rasch, und sie fanden zu einem respektablen Auftritt zurück. Trotzdem waren die Jungs aus der Tissot Arena mit dem 1:1-Zwischenergebnis nach dem zweiten Drittel noch gut bedient. In der 33. Minute traf nämlich HCD-Sturmcrack Rasmus Asplund genauso wie zuvor Matej Stransky nur die Torumrandung.

Drittes Drittel

Diesen positiven Eindruck brachten sie genauso nach dem zweiten Pausentee mit in den Schlussabschnitt. Die Mannen von HC-Davos-Cheftrainer Josh Holden hingegen konnten sich bis nach Mitte des Enddrittels nicht wunschgemäss in Szene setzen. Daraus resultierte für die schwungvoll und gelöst auftretenden Bieler sogar ein 2-Tore-Vorsprung. Zuerst war es Marcus Silvegaard (48.), der das präzise flache Zuspiel von Yanick Stampfli über Sandro Aeschlimanns Beinschoner zur Seeländer 2:1-Führung schlenzte. Knappe fünf Minuten später erhöhte Lias Andersson auf 3:1 zugunsten der Platzherren, indem er die Scheibe filigran in die Davoser Netzmaschen versenkte. Eigentlich deutete nun alles auf einen Bieler Dreier hin. Allerdings leistete sich Rodwin Dionicio (53.) eine völlig unnötige kleine Strafe mit grossem Effekt. So verkürzte Brendan Lemieux (53.) aus Davoser Sicht natürlich in Überzahl zuerst auf 2:3. Später und genau 3,9 Sekunden vor der Schlusssirene war es der rotzfreche Filip Zadina, der die Seeländer Träume vom Gewinn des ganzen Punktepakets zunichtemachte. Sein Flachgeschoss liess Biel-Schlussmann Luis Janett keine Abwehrchance, und so hiess es 3:3 nach 60 Minuten.

Verlängerung

In der Verlängerung konnten die Einheimischen eine 2×2-Minuten-Strafe gegen Michael Fora nicht zum Siegestreffer ausnutzen. Das Davoser Boxplay hielt den eigenen Laden dicht. Und so kam es zum Penaltykrimi.

Penaltyschiessen

Hier schienen die Eiswürfel zugunsten der Bündner gefallen zu sein, nachdem sie sich dank der Mouchen von Simon Ryfors und Filip Zadina einen 2:0-Vorsprung herausgeholt hatten. Diesmal bewiesen die Seeländer im Penaltyschiessen ein weiteres Mal viel Moral und holten sich den Zusatzpunkt, weil nacheinander Marcus Silvegaard, Toni Rajala und Fabio Hofer dem Schlussakt noch eine Resultatwende bescherten. Dies riss meine Tribünennachbarn Jérémy und Pascal von Radio Blitz dermassen aus den Sitzen, dass sie ihre Zuhörer noch einmal so richtig live und lauthals begeisterten!

Resultat:

4:3 nP

M. Sylvegaard, F. Hofer, L. Andersson
B. Lemieux, F. Zadina, R. Asplund